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Sunday, July 12, 2020

Homeschooling-Studie: Gelungener Heimunterricht aus Sicht der Eltern - News4teachers

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KOBLENZ. Die coronabedingten Schulschließungen haben der viel beschworenen Erziehungspartnerschaft von Schule und Elternhaus eine neue Bedeutung eingebracht. Viele Eltern haben im Homeschooling zwangsläufig eine wesentlich aktivere Rolle im Lernprozess ihrer Kinder übernommen. Die Universität Koblenz-Landau hat sie nach ihren Erfahrungen befragt.

Die Corona-Pandemie hat an vielen Stellen das Verhältnis von Lehrern und Eltern auf eine neue Grundlage gestellt. Viele Eltern haben seit den bundesweiten Schulschließungen zwangsweise einen besseren Begriff davon, was unterrichten bedeutet. Doch auch die meisten Lehrer haben sich der neuen Herausforderung gestellt, den Unterricht angepasst an die neue Situation zu konzipieren. Wie das Unterrichten zu Hause aus Sicht der Eltern funktioniert haben Wissenschaftlerder Universität Koblenz-Landau untersucht. Ein Viertel der befragten Eltern sehen ihre Beziehung zu ihrem Kind durch das Homeschooling als belastet an, so ein zentrales Ergebnis.

Homeschooling stellt auch Eltern vor neue Aufgaben. Foto: Shutterstock

Der Fokus der HOMEschooling 2020-Studie lag neben den täglichen Herausforderungen und dem Gelingen des Unterrichtens zu Hause auf der Unterrichtsqualität. „Wir wollten wissen, ob und wie im Zuge des Homeschoolings guter Unterricht gewährleistet werden kann und fragten unter anderem nach der Qualität der Aufgaben, der Häufigkeit und Strukturiertheit der Aufgabenübermittlung oder dem Feedbackverhalten der Lehrkräfte“, so die Koblenzer Bildungsforscherin Anja Wildemann, mit Ingmar Hosenfeld vom Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) Leiterin der Studie.

Die Mehrheit der Eltern wünscht sich laut Studienergebnis mehr Rückmeldungen durch die Lehrkräfte. Rund die Hälfte erkannte keinen regelmäßigen Rhythmus in der Aufgabenübermittlung durch die Lehrer; auch nahmen sie die Lernaufträge als wenig abwechslungsreich wahr. Positiv empfanden die Eltern mehrheitlich die Klarheit der Aufgabenstellung, die es den Kindern ermöglichte, die Aufgaben selbstständig zu bearbeiten.

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Insgesamt hat der zeitliche Umfang der Lernbetreuung durch die Eltern deutlich zugenommen. Gaben knapp die Hälfte der Eltern an, vor Corona maximal 30 Minuten mit den Schulaufgaben des Kindes verbracht zu haben, waren es beim Homeschooling bei 24 Prozent bis zu einer Stunde, bei 26,7 Prozent bis zu zwei Stunden und 25 Prozent investierten bis zu drei Stunden täglich. Mit über 80 Prozent waren mit deutlicher Mehrheit Mütter für das Homeschooling zuständig.

Im Hinblick auf die Lernmotivation der Kinder und Jugendlichen ergab sich ein fast ausgewogenes Bild: Mit 48,5 Prozent waren laut Einschätzung der Eltern etwas weniger als die Hälfte sehr oder ziemlich motiviert, bei etwas mehr als der Hälfte (51,1 Prozent) fehlte es an Motivation.

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Im Vergleich zum normalen Schulalltag waren besonders die Interaktionen in den Lerngruppen eingeschränkt. Knapp 60 Prozent der Eltern geben an, dass sich ihre Kinder nicht mit Mitschülern austauschten. Einen mehrmaligen Austausch pro Tag gaben 9,7 Prozent der Eltern an, 14,1 Prozent benannten einen Austausch mehrmals pro Woche. Lernunterstützung der Kinder durch die Lehrkräfte sahen fast 75 Prozent der Eltern besonders durch E-Mail-Kontakt geleistet. Außerdem wurden Materialien zum Download (54,5 Prozent), Internetseiten (41,6 Prozent), Youtube-Videos (28,9 Prozent) und eigene Videos (15,4 Prozent) zur Verfügung gestellt.

„Auf Grundlage der Studie sehen wir zwei zentrale Entwicklungsbereiche für weiteres Homeschooling oder einen Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht“, so Ingmar Hosenfeld, „die Strukturiertheit der Lehr-Lern-Angebote und das Feedback“. Die Forschenden empfehlen, die Aufgaben in Form von Wochenplänen in einem festen Rhythmus zu übermitteln. Das könne einen wichtigen Beitrag leisten zum selbstregulierten Lernen sowie zur Orientierung der Schüler und durch die bessere Planbarkeit auch zur Entlastung der Eltern. Außerdem sollte es seitens der Lehrkräfte eine enge Verzahnung von Aufgabenübermittlung und individuellem Feedback geben, damit jede Schülerin und jeder Schüler den eigenen Wissensstand und Lernbedarf kennt und angemessen weiterentwickeln kann.

Einen weiteren wichtigen Faktor für gelingenden Unterricht zu Hause sehen die Forscher in der Lernmotivation. „Ein Großteil der teilnehmenden Eltern hat ihre Kinder durch soziale und kommunikative Zugewandtheit zum Lernen motiviert. Das ist ein guter Weg“, unterstreicht Wildemann. Darüber hinaus spiele Partizipation eine große Rolle. „Wenn Eltern und Kinder gemeinsam die Lernwoche planen, agieren sie partnerschaftlich. Das erhöht bei den Kindern in der Regel die Akzeptanz und Motivation“, erklärt Hosenfeld. Einen wichtigen Rat haben beide für Eltern: Sich selbst nicht so stark unter Druck setzen, denn Eltern sind in erster Linie genau das: Eltern und eben keine Lehrkräfte.

An der Studie teilnehmen konnten alle in Deutschland wohnhaften Eltern, deren Kinder allgemeinbildende Schulen besuchen. Zwischen Anfang April und Anfang Mai 2020 haben 4.230 Eltern an der Befragung teilgenommen, davon größtenteils Mütter. Von den Kindern und Jugendlichen besuchen 43,1 Prozent eine Grundschule und 52,6 Prozent eine weiterführende Schule, davon 64,9 Prozent ein Gymnasium. (zab, pm)

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July 12, 2020 at 03:22PM
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